Ein 3D-gedrucktes Teil ist selten fertig, wenn es aus dem Drucker kommt. Ob Stützmaterial entfernen, Oberflächen glätten oder Gewinde einsetzen – die Nachbearbeitung entscheidet darüber, ob ein Bauteil wie ein Prototyp aussieht oder wie ein Endprodukt.

Überblick: Die wichtigsten Finishing-Verfahren

VerfahrenZweckGeeignet für
StrahlenGleichmässige Oberfläche, PulverentfernungSLS, MJF, SLM
GleitschleifenGlättung und KantenverrundungSLS, MJF, FDM
Vapor SmoothingChemische Glättung, geschlossene PorenSLS, MJF (PA12)
Färben / DyeingDurchfärbung des MaterialsSLS, MJF (Nylon)
LackierenFarbgebung, Schutz, OptikAlle Verfahren
GewindeeinsätzeBelastbare VerbindungenAlle Verfahren
Schleifen / PolierenOberflächenveredelungFDM, SLA, SLM
AnnealingErhöhte Festigkeit & WärmebeständigkeitFDM (PEEK, PLA)

Strahlen: Die Basis jeder Nachbearbeitung

Bei pulverbettbasierten Verfahren (SLS, MJF) ist das Strahlen der erste Schritt. Glasperlen oder Korund entfernen angesintertes Pulver und erzeugen eine gleichmässige, matte Oberfläche.

  • Glasperlen (fein): Sanfte Reinigung, leicht seidenglänzend
  • Korund (grob): Stärkere Abtragung, rauere Oberfläche

Das Strahlen ist bei DREI-DE im Standardpreis aller SLS- und MJF-Teile inbegriffen.

Gleitschleifen (Trowalisieren)

Beim Gleitschleifen werden Bauteile zusammen mit Schleifkörpern (Chips) in eine vibrierende Trommel gegeben. Die Chips tragen Schicht für Schicht Material ab und erzeugen abgerundete Kanten und glatte Oberflächen.

  • Typische Rauheit danach: Ra 3 – 6 µm (vorher Ra 10 – 15 µm bei SLS)
  • Dauer: 2 – 12 Stunden, je nach gewünschtem Ergebnis
  • Vorteil: Gleichmässig, automatisiert, günstig bei grösseren Mengen
  • Einschränkung: Feine Details und Innenbereiche werden kaum erreicht

Vapor Smoothing: Industriequalität ohne Schleifen

Vapor Smoothing ist eine der spannendsten Nachbearbeitungstechniken im 3D-Druck. Dabei werden SLS- oder MJF-Teile aus PA12 in einer kontrollierten Lösungsmittel-Atmosphäre geglättet. Die Oberfläche schmilzt kurzzeitig an und schliesst Poren.

Vapor Smoothing reduziert die Oberflächenrauheit um bis zu 90 % und macht 3D-gedruckte Teile optisch und haptisch kaum noch von spritzgegossenen Teilen unterscheidbar.

Vorteile:

  • Geschlossene, glatte Oberfläche (Ra < 1 µm möglich)
  • Wasserdicht und lebensmittelkontakttauglich (je nach Material)
  • Keine mechanische Beanspruchung – Details bleiben erhalten
  • Gleichmässiges Ergebnis auch in Innenbereichen

Einschränkungen:

  • Primär für PA12 und PA11 (Nylon)
  • Leichte Massveränderung möglich (±0.1 mm)
  • Kosten ca. 20 – 40 % Aufschlag auf den Teilepreis

Färben (Dyeing): Farbe, die durchdringt

Beim Färben werden SLS- oder MJF-Teile in ein heisses Farbbad getaucht. Der Farbstoff dringt bis zu 0.5 mm in das Material ein. Das Ergebnis: gleichmässige, abriebfeste Farbe ohne Schichtauftrag.

  • Standardfarbe: Schwarz (am häufigsten, deckt MJF-Grau ab)
  • Weitere Farben: Blau, Rot, Grün, Gelb – je nach Anbieter
  • Vorteil gegenüber Lack: Keine Schichtdicke, keine Abplatzungen

Ideal für Bauteile, die angefasst werden (Griffe, Gehäuse, Consumer Products) – die Farbe nutzt sich nicht ab wie bei einer Lackierung.

Lackieren: Vom Funktionsbauteil zum Designobjekt

Lackieren ist nach wie vor der vielseitigste Weg, 3D-Drucke optisch aufzuwerten. Möglich sind:

  • Grundierung + Decklack: Für gleichmässige Farbgebung
  • Soft-Touch-Lack: Gummiartige Haptik für Bedienelemente
  • Metallic / Chrom-Optik: Für Designmodelle und Showpieces
  • UV-Schutzlack: Für Ausseneinsätze und UV-empfindliche Materialien

Wichtig: Die Oberfläche muss vor dem Lackieren geglättet werden (Schleifen, Gleitschleifen oder Vapor Smoothing), sonst werden Layer-Lines und Rauheiten durch den Lack hindurch sichtbar.

Gewindeeinsätze: Belastbare Verbindungen

3D-gedruckte Gewinde halten nur bedingt. Für wiederholtes Schrauben oder höhere Lasten werden Messing-Gewindeeinsätze (Heat-Set Inserts) eingesetzt.

  • Funktionsweise: Rändelhülse wird mit Lötkolben eingeschmolzen
  • Grössen: M2 bis M8 sind Standard
  • Auszugskraft: Bis zu 10× höher als gedruckte Gewinde
  • Ideal für: Gehäuse, Montagevorrichtungen, Endprodukte

Alternativ können bei SLM-Metallteilen Gewinde direkt geschnitten werden – die Festigkeit des gesinterten Metalls erlaubt das ohne Einsätze.

Annealing: Mehr Festigkeit durch Wärme

Beim Annealing (Tempern) werden gedruckte Kunststoffteile kontrolliert erwärmt, um die Kristallstruktur des Polymers zu optimieren. Das erhöht Festigkeit und Wärmebeständigkeit.

  • PLA: +40 % Festigkeit, Wärmebeständigkeit bis 120 °C (statt 60 °C)
  • PEEK: Erhöhte Kristallinität für Hochtemperaturanwendungen
  • Vorsicht: Schrumpfung und Verzug möglich, muss in der Konstruktion berücksichtigt werden

Welche Nachbearbeitung für welche Anwendung?

AnwendungEmpfohlene Nachbearbeitung
FunktionsprototypStrahlen (Standard, inkl.)
Sichtbares GehäuseVapor Smoothing + Färben oder Lackieren
Medizinisches BauteilVapor Smoothing (geschlossene Poren)
ArchitekturmodellGrundierung + Lackieren
Montageteil mit SchraubenGewindeeinsätze (Heat-Set)
Outdoor-EinsatzUV-Schutzlack + Färben
Consumer Product (Serie)Gleitschleifen + Färben
Hochtemperatur-Bauteil (FDM)Annealing

Kosten der Nachbearbeitung

Die Nachbearbeitung kann den Teilepreis um 15 – 80 % erhöhen, je nach Verfahren und Aufwand. Eine grobe Orientierung:

VerfahrenAufschlagBemerkung
StrahlenInklusiveBei SLS/MJF immer dabei
Gleitschleifen+10 – 25 %Automatisiert, effizient ab 10+ Teile
Vapor Smoothing+20 – 40 %Abhängig von Bauteilgrösse
Färben+10 – 20 %Schwarz am günstigsten
Lackieren (einfarbig)+30 – 60 %Manuelle Arbeit, stark abhängig von Geometrie
Gewindeeinsätze+2 – 5 CHF pro StückAbhängig von Grösse und Anzahl

Mehr zu den Gesamtkosten: Was kostet 3D-Druck? Die Preisfaktoren im Überblick →

Fazit: Nachbearbeitung ist kein Luxus

Die richtige Nachbearbeitung verwandelt einen 3D-Druck vom Prototyp in ein Endprodukt. Sie beeinflusst Optik, Haptik, Funktionalität und Lebensdauer massgeblich. Wer sie von Anfang an in die Bauteilplanung einbezieht, spart Zeit und erhält bessere Ergebnisse.

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